Jack

Hereinspaziert! Lokalaugenschein bei einer Haustiermesse in der ehemaligen Schlachthofhalle Wiens. Dort wo einst  Rindvieh in Todesangst vorangetrieben wurde, treibt sich nun eine Menschenmasse durch ein Labyrinth von Verkaufs- und Imbissständen. Vorbei an Leuchtschriftreklamen mit  klingenden Namen wie Gaumensex. Vor so einer steht ein massiges Rindvieh und zwitschert Bier. Vom lustigen Namen der Ausschank angeheitert, schiebt er gleich selber einen Witz. Schaut an die Elefantenkugel, meint er mit Blick auf seine schwangere Frau und lacht, so dass sein Bierbauch schwabbelt.
Vorbei an Tierkäfigen und Pagoden mit bunten Luftballons. Informationsbroschüren über Hunderassen und Zuchtadressen. Ticketabschnitte und leere Coladosen am Betonboden. Gibt’s hier keine Mistkübel?  Dafür jede Menge Utensilien zum Erwerb. Hundeleinen in allen Farben und Mustern,  Katzenkratzbäume in allen erdenklichen Größen, Fressnäpfe zum abwinken, Prêt-à-porter Hundemäntelchen, Polstermöbel, Katzenleinen.
Gedränge  vor einer Bühne. Musik schallt über den Lautsprecher. Ein kleiner Hund versucht mit seinen vier Pfoten auf ein Seil zu steigen. Ein Mann mit Mikrofon feuert ihn an. Er rutsch ab, Gelächter. Er probiert es nochmals. Für ein paar Sekunden steht er am Seil. Applaus.

Genug gesehen.

Ich dache an den seligen Jack, den Hund meiner Großeltern. Eine Rasse war ihm nicht zuzuordnen, kein Ahnenbaum und kein Wurfverzeichnis. Er konnte nicht seiltanzen, aber er wusste jeden Tag ganz genau um welche Uhrzeit unten an der Hauptstraße der Bus aus der Stadt ankommt, aus dem das Herrl aussteigen wird. Er lief ihm entgegen und begleitete ihn nach Hause. Sein Platz war auf der Veranda, bei Sonne, Regen und Schnee, Tag und Nacht. Nur wenn es draußen ganz eisig stürmte durfte er hinein in die warme Stube. Auf Haus, Hof und Bewohner aufgepasst hat er, als würde er darauf warten das Tarantino vorbeikommt um ihn als Security zu entdecken. Zwischenzeitlich verjagte er gerne Katzen aus seinem Revier. Dieses vergessliche Volk aus den Nachbarsgärten lernte einfach nicht dazu. Wie gut dass es den Kirschenbaum als Rettungsinsel gab.
Als er alt, krank und blind wurde, erlöste ihn mein Großvater von seinem Leid. Seitdem ist er im Hundehimmel und sollte es dort auch Katzen geben, wird er seinen Spaß schon haben.

 

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Endspurt

Februar. Die Stimmungslage in der Stadt gleicht ein wenig der dieser tristen Wohnanlagen nahe der Peripherie, dort wo das Leben für die Bewohner meist chronisch schwerer zu sein scheint als woanders. Es schneit nicht mehr. Nur mehr vereinzelt schwingen ein paar winzig kleine Schneeflocken durch die grautrübe Luft bis sie am Boden aufschlagen und sich auflösen. Grauschwarze Schneehaufen sind noch übergeblieben, platziert an Gehsteigränder und zwischen schmutzigen Autos. Kahle Gebüsche, unter denen der geschmolzene Schnee den Müll der letzten Monate freigelegt hat. Getränkedosen, Pizzaschachteln, da und dort Plastikmüll. In so mancher Parkanlage auch Zurückgelassenes von armen kaputten Menschen die mit diesen Utensilien kurz in ein besseres Leben abfliegen wollten. Schanigärten im Winterschlaf. Die Tische und Sessel überzogen mit graugrünen Planen, Schmutz und Taubendreck. Kaum zu glauben dass hier irgendwann wieder unter Sonnenschirmen Cappuchino und Aperol an fröhliche Menschen serviert werden wird. Den ganzen Tag ein Licht als würde der Himmel gleich erlöschen, die Lampen aber noch nicht anspringen. Wie wenn in aller Herrgottsfrüh bereits schon später nachmittag wäre. Dann, wenn die
U-Bahnen die Menschen ausspuckt, die es gleich nach Hause treibt. Hastend, etwas nach vorne gebeugt vom Gegenwind. Manche schleppen sich vorher noch in den Supermarkt.
„Wenn es hier nicht steht dann haben wir es auch nicht!“ Schnippische Antwort der Regalschlichterin. Na wahrscheinlich hat sie auch schon die Pullover-überzieh-Allergie. Oder aber auch nur die gegen blöde Fragen von Kundinnen.

Nur noch 19  Tage. Dann ist 1. März.
Das klingt nach Frühling, nach Leberblümchen im Wald, nach Märzenbecher im Park. Nach Eisgeschäften die ihre Pforten öffnen.
Nur noch 19 Tage.
Durchhalten!

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„Abschalten“

Die Sonntagsknödel köchelten gerade vor sich hin, als sich zur selbigen Zeit irgendwo am Stadtrand von Wien, Herr Radek, diensthabender Leiter des E Werks, sich in sein Auto setzte, um sich auf den Weg eben dorthin zu machen. Herr Radek hatte jedoch kein Interesse an den Knödeln, in diesem Moment sogar an keinem anderen Mittagsmahl. Er fuhr 55 Kilometer zu dem Wochenendhaus seines besten Vorarbeiters. Zu einem Wochenendhaus ohne Telefonanschluss.
Ein Notfall in einem Schacht. Bitte mitkommen. Da half auch das verzweifelte „Aber die Knödel, die guaden Knödel..!“ der beschürzten Vorarbeiterfrau nichts. Notfall ist Notfall, und der gute Mann musste leeren Magens 55 Kilometer mit dem Herrn Radek, ebenfalls mit leerem Magen, zurück in die Wiener Peripherie fahren, und dem Notfall in einem der Schächte, an den Kragen zu rücken.

Hätte es die Segnungen der neuen Zivilisation schon vor vierzig Jahren gegeben, hätte sich Herr Radek  110 Autokilometer erspart. In dem besagten Wochenendhaus hätte das Handy geklingelt, und der Mann der Knödelköchin hätte auch sicher abgehoben. Denn, und das weiß ich aus Erzählungen, es war der einzige sonntägliche Notfall in all seinen Arbeitsjahren im E Werk gewesen.

Reine Spekulation ist es jetzt, dass Herr Radek vielleicht öfters nach Dienstschluss oder an Sonn und Feiertagen angerufen hätte; hätte es seinerzeit schon Handys gegeben. Dass er den Kreuzschraubenzieher gerade jetzt nicht finden kann, wo liegt der denn, der Spannungsmesser auch wieder einmal gewartet gehört, oder dass ein Fahrradl vor dem E Werk umgefallen ist.

In Frankreich gibt es ein neues Gesetz. Arbeitnehmer dürfen in der Freizeit das Diensthandy abschalten weil permanente Erreichbarkeit krank macht.
Schade, dass es dafür erst ein Gesetz braucht. Aber gut so, und ein Anfang für all jene, die noch nicht bereit sind für „ich habe Wochenende und „schalte ab““, oder auch für all jene, die einfach nur aus Angst den Job zu verlieren, dies nicht tun.

 

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Das schönste Lied der Welt

Die Overalls, wie bunte Farbkleckse in den schwarz weißen Erinnerungen. Am Rodelberg, zu dem die Väter mit den Kindern immer aufbrachen, am 24., am Vormittag, damit das Christkind kommen kann. Ist das Fenster daheim einen Spalt offen? Denn wie soll das Christkind denn sonst in das Zimmer gelangen und all die Geschenke niederlegen. Das wäre ein Drama gewesen. Gedanken die durch den Kopf kreisten während die Holzrodel an der Schnur den Hügel hochgezogen wurde.  Die weisse Haube die am Kinn zu binden war, und grässlich kratzte, aber niemals hätte man sich getraut diese einfach in eine Ecke zu schmeißen . Der freche Fritzi aus der 1b, der vielleicht, der hatte natürlich auch die schnittige Rennrodel mit der er wagemutig den Hügel runter fetzte.
Am nachmittag dann fernsehen, Kinderfilme im staatlichen Sender, ausnahmsweise bis zum Abend, bis zur Bescherung. Das war, ja, wie Weihnachten.
Der Christbaum dann wieder in Farbe. Dunkelgrün mit roten echten Kerzen und  Strohsternen. Und der Geruch von Fichtennadeln und Kerzenwachs. Ein Geruch der nie aus der Nase geht, so wie der einer frisch gedruckten Zeitung oder frischem Croissants.

Irgendwann war man groß, und fand Weihnachten dämlich. Schick wollte man sein, und dieses Fest mit seiner Rührseligkeit passte da nicht so recht hinein. Man traf sich untertags mit angesagten Freunden im angesagten Lokal und schlürfte angesagten Frizzante. Elektrische Lichterkette statt echten Kerzen. Einfacher, schicker und keine Brandgefahr. Die blöden Geschenke waren abgeschafft. Bares oder Gutscheinmünzen bitte. Lieber gleich das richtige selber kaufen als nachher das falsche Parfum umtauschen.

Irgendwann war man noch grösser, und bekam selber Kinder. Fühlte sich an wie beim DKT. Zurück an den Start.  Nur mit vertauschten Rollen und ohne Verschnaufpause in der Arrest Ecke. Weihnachten. Vollgas. Denn perfekt und weihnachtlich sollte wieder alles sein, kein Kinderwunsch unerfüllt bleiben. Gerenne durch die Einkaufsstraßen, vorbei an den Wäschegeschäften mit den roten verwegenen Waren in den Schaukästen, hetzend und  Jingle Bells berieselt durchs Labyrinth der Mega Elektrogeschäfte, schwindelig nicht vom Frizzante oder vom Fritzi, der einen mit seiner Rennrodel geschnitten hat, sondern vom Angebot an Computerspielen, Gameboys, Nintendos und all den Must Haves, ohne denen es vielleicht enttäuschte Kinderherzen gäbe.

Doch wie auch immer die weihnachtlichen Umstände sind. Es gibt immer zwei Minuten, während diesen Weihnachten plötzlich ganz  Weihnachten ist. Zwei Minuten, in denen all die durcheinander geratenen Gedanken sich im Kopf auskreiseln. Das Jesuskind Platz nimmt im Herzen, die Krippe vor den Augen erscheint, der heilige Josef und die Mutter Maria in ihrer Anmut die Seele zur Ruhe bringt. Wo plötzlich alles so klar ist und rein. Man gedanklich durch einen verschneiten Peter Rosegger Wald stapft, Kirchenglocken einer Dorfkirche hört.
Die Nacht heilig wird.

Stille Nacht, heilige Nacht.

Danke an Joseph Mohr und Franz Gruber und für das schönste Lied der Welt.

 

 

 

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Wer auch immer zu euch kommt

weihnachten2

Ich wünsche ein schönes Weihnachtsfest im Kreise eurer Lieben, Glück und Gesundheit im kommenden Jahr!

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Unter den Dächern

Flach ist das neue Schräg.
Einfamilienhäuser, Wohnanlagen, Berghütten oder Reihenhäuser. Die neuen Dächer, die sind so flach wie die Puszta. Sogar ganz oben am Berg da stehen jetzt die Becherhütten, so heissen die.
becherhutte

Wahrscheinlich weil sie so schnell gebaut werden können, so schnell wie ein Becherkuchen gebacken. Ein Becher von da, ein Becher von dort, und fertig ist das Ding. Zeit ist nämlich Geld.
Ob in diesen alpin eleganten Becherhütten die Wirtin mit Stöckelschuhen dem Wanderer die Türe öffnet? Ein Glas Prosecco in der Hand?

Mit hohen Schuhen öffnen, das tun die Damen der Häuser unter Flachdächern im Tal, zumindest in den Filmen. Klopft beispielsweise ein Tatort Kommissar an die Tür, wird diese geöffnet, tadellos geschminkt, mit aparten Ohrsteckern, korrekter Frisur und  einer Contenance, auch wenn gerade eine Leiche das Wohnzimmer verschandeln sollte, und die Stöckel der Schuhe in den Echtholzboden hacken. Da kann passieren was will in diesen Häusern, alles immer perfekt elegant und geordnet.
flachdach

Flachdachhäuser assoziieren Ordentlichkeit. Abgestimmt und todschick meist das Interieur wie  in den Hochglanzseiten eines Home Magazins. Die Kissen immer ordentlich geschlichtet, Teppichvorleger die perfekt auf die Gästehandtücher abgestimmt sind. Und die Küchen erst, ausgestattet mit Geräten aus Edelstahl, geordnet und so sauber als würd niemals gekocht werden, dort wo eigentlich kulinarisch alle Stücke gespielt werden könnten.

Manchmal wenn ich beim fernsehen in das Innere eines solch schicken geraden Hauses eindringen kann, würd ich gern schämend meiner nicht farblich auf den Vorhang abgestimmten Teelichthalter, und den in der Küche herumliegenden muffigen Wetextüchern, am liebsten gleich ins nächste Möbelhaus fahren. Nur dumm, dass diese an den Tagen der Sonntagsfilme nicht geöffnet haben.

Trotz der Teelichtfarbe und des Ordnungsneids kann ich mich für Flachdächer nicht so wirklich erwärmen, denn am wohligsten warm ist es doch unter Winkeln.
winkel

 

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Updates

Als Kind der Siebziger wuchs ich mit Updates auf, welche revolutionär, aber vor allem greifbar waren. Zum Beispiel das Telefon Verlängerungskabel. Nach und nach hielt es Einzug in die Wohnungen und Häuser. Die Pioniere, die es als Erster erstehen, und ihr eigen nennen durften, wurden sehr beneidet. Glücklicherweise war es gar  nicht so schwer die Eltern zur Anschaffung zu überreden, denn es kostete nicht viel, und als es schließlich soweit war, wurde dem Mann von der Telefongesellschaft ehrfürchtig die Tür geöffnet, der das ersehnte Stück mitbrachte und montierte. Wir hatten ja nicht viel gehabt. Keine Bitcoins, keine Flatrates, nicht mal ein Burnout. Aber wir hatten das Telefonverlängerungskabel! Endlich war es möglich gemütlich am Wohnzimmersofa mit der Sabine zu telefonieren, um sich endlos darüber zu unterhalten mit wem der Willi aus der 4b geht oder auch nicht, ohne dass man sich dabei im Vorzimmer die Füße in den Bauch stehen musste. Dass sich währenddessen die anderen Viertel Telefonteilnehmer* grün und blau geärgert hatten, weil sie keine freie Leitung bekamen, war einem  ziemlich egal. Denn der Willi war schließlich der feschste und frechste Bursch in der Klasse.

Aus dem schweren, schwarzen Telefon wurde ein elegantes weinrotes. Tasten lösen die Wählscheibe ab. Nena ließ 99 Luftballons steigen. Apple führt den Macintosh ein. Und ein paar Jahre später bestätigte der Anrufbeantworter, dass der Biologiestudent vom Vorabend nicht angerufen hat.

Ein paar Jahre und Telefonate später.

Mein Smartphone spricht mit mir. Es stellt mir Fragen und hat die Eigenschaft hartnäckig zu sein. Es fragt zum Beispiel ob es Updates machen soll. Ich folge brav und klicke jedes mal „ja“, denn ich weiß, dass es mich am nächsten Tag wieder fragen wird. Und am nächsten, und am übernächsten. Also dann  lieber gleich auf ja, als tagelang das Generve. Wie mit kleinen Kindern. Ok, damit Ruh ist. Ich habe später keine Ahnung was eigentlich upgedatet wurde, denn alles ist entweder beim alten, oder das Hörersymbol ist einfach nur an einem anderen Platz. In Wirklichkeit weiß es nur mein Smartphone. Da wurden sicher Sachen upgedatet und dazugedatet die ungeahnte Möglichkeiten bieten würden. Vielleicht könnt ich sogar ein Schnitzel damit braten, nur weiß ich es nicht.

Mit der Technik ist es so wie mit der Mode. Da kommt alles immer wieder. Und ehe wir uns versehen ist vielleicht ein Smartphone mit Wählscheibe das neue Must-have.
Und dann haben die Siebziger Grufties die Nase vorn.

*Viertel Telefon: Vier sich unbekannte Teilnehmer teilten eine Leitung. Es konnte immer nur einer telefonieren.

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Wer nicht entscheidet hat auch entschieden

In einem dieser „Wie bin ich?“ Psychologiefragebögen in der Sonntagszeitung stieß ich auf die Frage „Wie gerne treffen sie Entscheidungen?“

Mit fiel auf der Stelle Marc Zuckerberg ein. Zuckerberg trägt täglich das selbe T-Shirt. Auf die Frage eines Interviewers begründete er diese Eigenheit. Er müsse täglich so viele Entscheidungen treffen, so dass er sich frühmorgens die Frage „was ziehe ich heute an?“ gerne ersparen möchte.

Ja genau, das Leben stellt uns gemeinerweise ständig vor so viele Entscheidungen welche wir treffen müssen, ob wir gerne wollen oder nicht. Ob stante pede Entscheidungen, „Sonnenlotion mit 10er oder 20er Faktor?“, „Bunt oder Schwarzwäsche in die Maschine?“, „Welches Eis ins Stanitzel?“, oder die bedeutungsvolleren, „Wohin auf Urlaub fahren?“,“Was möchte ich mal werden?“ und so weiter.

In Phasen von Unschlüssigkeit wird Verantwortung gerne auch mal an andere weitergegeben. „das schwarze oder das weisse?“, „das schwarze!“. Um später zu hadern, Mist, das weiße wäre mir lieber gewesen.

Als junges Mädchen wollte ich mal Entwicklungshelferin werden. Rückblickend weiß ich nicht ob es die soziale Ader war die in mir schlummerte, die verklärte Suche nach Abenteuerromantik in fernen Ländern oder die mädchenromantische Vorstellung vom feschen Arzt im  Safari Lodge Hospital, ich weiss es nicht. Ich machte den Fehler und fragte meine Oma was sie davon halte. Die bekam einen hochroten Kopf vor Zorn, und während sie mit ihren kurzen O Beinen und der umgebundenen Küchenschürze aus der Küche hinauswackelte,  mit Schwung das schwere Lavore voll schmutzigen Geschirrspülwasser in den Garten kippte, mumelte sie „na das fehlt noch, kommst mit einem Bangert heim!“. Ich wusste damals zwar nicht was sie genau damit meinte, aber der Wunsch Entwicklungshelferin zu werden, entleerte sich in diesem Moment gemeinsam mit dem Spülwasser, RATSCH, in das braune, von viel schmutzigem Wasser, überschüttete Unkrautbeet.

Im nachhinein betrachtet, hatte meine Oma sicher recht. Nicht wegen dem Bangert, aber ich glaube es wäre doch nicht das richtige für mich gewesen.

Verzwickt wird es auf jeden Fall, wenn gleich mehrere Menschen zwecks Entscheidungshilfe kontaktiert werden. Dem folgt meist der Blick auf den Mischwald der erhaltenen Ratschläge, um etwas verzweifelt zur Erkenntnis zu gelangen“Warum habe ich nur gefragt?“

Es gibt jedenfalls zwei Sprichwörter welche ich mag:

-Frage so lange nach verschiedenen Meinungen, bis du die hörst, welchedir am meisten zusagt.

-Wer viel fragt geht viel irr.

Ich kann mich nur nicht entscheiden welcher mir besser gefällt.

 

 

 

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So ist das Läben..

Neulich erst am frühen Nachmittag Espresso doppio getrunken. Halb so teuer aber doppelt so gut wie zuhause. Flirrende Hitze, ein kleines Cafe mit Aussicht auf die wunderbare mittelalterliche Kirche. Ausruhen von den vielen Stufen die man zuvor hinaufgestiegen ist, auf einen Turm oben am Hügel. Einfach nur dasitzen, chillen sagt die Jugend. Ohne Blick in eine Zeitung, ohne Internet mit all den grausamen Bildern und Nachrichten aus der Welt. Außer uns haben sich nicht viele Touristen hierher verirrt. Trotzdem, dass es hier so viel Schönes zu sehen gibt. In einem der Bauten war sogar mal Napoleon zu Gast. Das haben wir nachgelesen. Ein bisschen Internet darf sein. Aber ausschließlich für solche Zwecke. Ziemlich verschlafen hier. Eine Katze liegt faul in der Sonne. Ein kleines Mädchen mit Kleidchen tänzelt mit wackeligen Schritten  zu der Barmusik welche leise aus dem Cafe kommt. Ein Touristenpaar, der Mann mit Bosalino Strohhut, die Frau im Blümchenkleid, als wären sie aus dem Film Good Woman – ein Sommer in Amalfi entsprungen. Ach ja und eine Pfadfindergruppe war auch dort. So nett haben sie ausgesehen, die jungen Menschen mit ihren Uniformen.

Die Leichtigkeit des Sommers dort eingefangen. Und als Erinnerung mit nach Hause genommen.

Zuhause dann den Fernseher angemacht.
Und sie sind wieder da. All die hässlichen Nachrichten. Eine davon aus einem Gebiet wo man noch vor kurzem so viel Schönes gesehen hat, hunderte Jahre alt und mit einem Zauber umgeben als würde es ewig währen. Doch plötzlich, mitten in der Nacht, kam die Zerstörung in diesen Teil der Welt. Einige dieser wunderschönen mittelalterlich historischen Städtchen Italiens gibt es nicht mehr. Und so viele Menschen und auch Kinder unter den Trümmern begraben.

Unsere mazedonische Büroreinigungsdame, selbst schon von vielen Schicksalsschlägen gebeutelt, murmelt nur mehr schulterzuckend und seufzend“ja so ist das Läben..“

Man muss sehr aufpassen nicht abzustumpfen, bei all dem Elend das passiert und  uns täglich ins Haus geliefert wird.

 

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Ciao

Etwas weiter oben am Berg ist die Luft schon kühler. Auch deshalb weil der August ja schon ins Land gezogen ist. Manche sagen schon dieses eine bestimmte Wort. Das möchte ich aber nicht hören. Jetzt noch nicht. Es ist schon spät abends, unten funkeln die Lichter des Städtchens, gelb und weiss, wie achtlos hingeworfene Diamanten auf schwarzem Samt. Wie schön dieser Ausblick. Edelfeder Silvia Kling hätte ein wunderschönes Gedicht darüber gezaubert. Karl, von karlswortbilder einen Satz dazugeschrieben der unter die Haut ginge. Erich, von Mannigfaltiges, ein passendes Gedicht dazu aus der Lade gezogen. Ich würde gern ein Foto davon machen, aber ich bin gänzlich unbegabt in der Fotografie. Bei mir sind die meisten Fotos unscharf oder die Menschen darauf haben die Augen geschlossen. Irgendetwas passt immer nicht so gut. Ich werde es nie lernen. Ich glaube das liegt an Begabung. Man hat’s oder man hat’s nicht. Welch schöne Fotos hätte der Alois Absenger oder der Hobknips davon gemacht! Fotos die in Zeitschriften oder in schöne Bücher gehören. So dass alle Welt sie sehen kann.
Weiter unten am Berg hat eine Gruppe ihren Spaß. Man hört dezent die Geräusche einer lustigen Partynacht bis hinauf. Selber hat man es eher so mit lesen, spielen oder einfach nur ein wenig sinnieren. Über das letzte Jahr. Da war man auch hier. Nachdenken darüber was sich seitdem so getan hat. Die guten und nicht so guten Ereignisse. Vielleicht wärs ja besser auch mal Party zu machen. Es so richtig sausen lassen. Campari oder Vino Bianco trinken, bis zu umfallen. Mal nicht so erwachsen sein. Wie die Italiener. Wenn die mal nicht erwachsen sein wollen, dann hilft eine Portion Spagetti bei der Mamma und die Welt ist wieder in Ordnung. Die haben ja eine Küche, zum niederknien. Kein Wunder dass es den Ausspruch „Dolce Vita“ nur auf italienisch gibt. Ja, gut leben das können sie. Nur Auto fahren, das tun sie wie die Verrückten. Oder sie sind einfach alle nur Legastheniker. Links blinken und rechts rüberfahren. Wenn man es weiss, ist es kein Problem mehr. Man muss sich halt auf andere Sitten in anderen Ländern einstellen können. Rote Ampel? Welche rote Ampel? Und die Galanterie. Die ist hier noch nicht ausgestorben. Ein kleines Souvenier in einem kleinen Laden gekauft. Ciao Bella, hat der alte Charmeur beim rausgehen nachgerufen. Der circa achtzigjährige Ladenbesitzer ruft das sicher jeder Kundin nach, trotzdem geht’s ein wenig die Seele runter wie Olivenöl.
Ich glaube heute abend gönne ich mir einen Campari. Füße hochlegen und ankommen.

Angekommen ist auch (wenn auch auf andere Art) Belana Hermine -in Santiago de Compostela! Gratulation!

Ich wünsche allen lieben Blogfreunden (leider konnte ich nicht alle erwähnen) noch einen schönen August!

blume
eines der ununschärfsten

 

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