Falco

Ende der Siebzigerjahre sagte mal ein von Lahmarschigkeit genervter Tanzlehrer „Wien ist eine alte Dame“.
Über der Stadt lag eine Art schwerfällige graue Häkelhaube. Es wurden Tauben gefüttert und in der Straßenbahn lamentiert. Ein wenig Farbe brachten rot-weiss-rote Fähnchen an Gemeindebaufenstern und auf den Straßenbahnen, welche dann wie kleine aufgesteckte Ohren im Fahrtwind flackerten. Zweimal im Jahr, am Staatsfeiertag und am Tag der Arbeit. Farbliche Abwechslung im Erinnerungsschrank war auch einmal im Jahr der Fasching, welcher seinerzeit in Wien noch bunt und lustig gefeiert wurde, als Clown oder als Krankenschwester verkleidete Menschen in den Büros, in der Schule, und den Verkaufsläden. Achja und die WIG Gartenbauausstellung im Donaupark, ja die gabs auch damals.
Der alte Dame Flair lag dennoch in der Luft, und auch das von John Travolta ausgelöste Saturday Night Fever 1977 konnte nicht viel daran ändern, auch nicht die vielen Discos welche plötzlich wie Schwammerl aus dem Boden schossen (ok, ich war noch zu jung um hochhackige Tanzschuhe anzuziehen und mittendrin zu sein.)

Aber dann kamen die Achtziger. Und dann kam Falco.

Mit Falco wurde Wien plötzlich zu einer glitzernden Weltstadt. Wien war cool. Fortgehen war cool. Die Lokale waren cool. Schwarze Sonnenbrillen und arroganter Blick, selbst war man es dann auch. Songs wie „Ganz Wien… tararara.. ist heut auf Heroin.. tararara….Kokain und Kodein und so weiter….“, brachten so ein verdammt verruchtes und dekadentes Gefühl in die Wiener Lokalszene und in das eigene junge Leben. „Der Kommissar“ und „Jeanny“ taten ihr übriges. Von manchen Radiosendern verboten, wurde das Lied umso mehr zum Kult.
In der Straßenbahn von Häkelhauben angemotzt zu werden war Vergangenheit, mit dem ersten Auto wurde abends losgefahren. In die nächtliche Wiener Glitzerwelt hinein. Und als „Rock me Amadeus“ in den USA zur Number One aufstieg, wurde Wien von uns schon zum Weltkulturerbe und Zentrum der Welt erklärt, bevor es die UNESCO tat.

Ich weiß noch genau wo ich war, als Falcos Song „Vienna Calling“ in den Radios gerade rauf uns runter gespielt wurde.

In einer Wiener Wohnung auf einer naja nicht so angesagten Party bei Freunden. Die Burschen wollten zu später Stunde Karten spielen (also nur die Burschen unter sich, tarockieren war Männersache)  und meiner Freundin und mir war langweilig. Wir kochten  zu später Stunde in der Küche lustig eine Eierspeis während es „Vienna Calling“ spielte. Liebe soll ja bekanntlich durch den Magen gehen und wir wollten die Konzentration im Wohnzimmer wieder auf uns updaten. Doch richtige Tarockierer lassen sich nicht ablenken, nicht mal von einer Eierspeis. Das ist nun schon lange her.

Seit 20 Jahren singt und tanzt Falco nun schon im Himmel, in der Gasse der Ausnahmekünstler. Österreichische Sender gedenken ihm gerade.

Natürlich weiß ich noch wo und wie ich die Nachricht über Falcos Tod erfahren habe.
(auch bei Romy Schneider und Lady Diana weiß ich es. Bei Kennedy war ich noch nicht auf der Welt) Morgens im Bad, mein Mann öffnete die angelehnte Tür und erzählte es mir. Der Eierspeis Ignorant von damals übrigens.

 

 

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Über andrea

Geschichten aus dem Alltag
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2 Antworten zu Falco

  1. Stefanie schreibt:

    So ein toller Text!

    Gefällt mir

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